Geflochtene Hauptschnur zum Karpfenangeln

17.03.2014 16:12

Fast täglich werde ich gefragt, was ich davon halte, geflochtene Hauptschnur beim Karpfenangeln einzusetzen. „GAR NICHTS!“ hätte meine Antwort noch vor ein paar Jahren gelautet. Denn ich war wohl einer der größten Gegner dieser Schnüre. Viel zu groß war die Angst, einen Fisch aufgrund der fehlenden Dehnung auszuschlitzen.

Doch die Zeiten ändern sich, ich habe dazugelernt und meine Meinung geändert.

Geflochtene Schnur KarpfenangelnDIE EINSICHT kam vor etwa 4 Jahren.

Damals angelte ich mit meinem Freund Bernd auf kleinen kiesigen Stellen, inmitten von großen Krautfeldern, auf eine Entfernung von 150 bis 200 m. Nach der ersten fischlosen Nacht, mussten wir feststellen, dass die Montagen im Kraut festhingen, obwohl wir sie sauber auf dem Kies abgelegt hatten. „Da stimmt was nicht“ dachten wir und am nächsten Morgen kam der Beweis: Ein Schuppi von etwa 10 kg hing noch am Haken einer Montage und steckte in einem Krautfeld fest. Ja, da stimmte was nicht. Den Biss verschlafen? Der Bissanzeiger defekt?

DER TEST brachte uns die Gewissheit. Wir legten eine Rute auf ca.200m aus, ich tauchte zur Montage und verzog das Blei um etwa 5 m. Trotz sensibler Einstellung blieb der Bissanzeiger stumm und der Swinger verharrte in seiner Position.

WAS TUN? Kurzerhand wurde die Session abgebrochen und die damals so verhasste geflochtene Schnur aufgezogen. Sehr skeptisch kehrte ich zum Wasser zurück, um das neue Material zu testen. Und siehe da, plötzlich kam wieder Leben in meine Bissanzeiger. Ich fing die Fische, die ich vorher verschlafen hatte. Völlig unbegründet war die Angst, Fische auszuschlitzen. Trotz kräftigen 3 lb Ruten ging bei diesem Angeln nicht ein Fisch verloren.

WAS ICH DAMIT SAGEN WILL: Im Zeitalter der Angelei auf extreme Entfernungen werden die tollsten Rigs verwendet und die neuesten Baits. Fast jeder hat ein Boot um die Ruten noch weiter auszulegen. Doch über die Bissanzeige machen sich nur wenige Gedanken. Auf eine Entfernung von 300 oder 400 m dehnt sich eine Monofilschnur wie ein Gummiband. Oftmals sitzt der Fisch schon lange in einem Hindernis fest, bis der Biß (eventuell) angezeigt wird.

DAS MATERIAL: Ein großer Nachteil der geflochtenen Schnur ist der starke Auftrieb. Angelt man auf große Entfernung, so können Probleme auftauchen. Die Schnur liegt an der Oberfläche. Wind und Strömung verursachen einen gewaltigen Schnurbogen, der im schlimmsten Fall sogar die Montage verzieht. Absenkbleie wiederum verschlechtern die Bissanzeige. Der nächste Punkt ist die Tragkraft und Abriebfestigkeit. Mit Leichtigkeit durchschneidet eine Muschel die geflochtene Schnur. Und die Tragkraftangaben der Hersteller sind meistens nur Wunschträume. Ein kurzer Ruck, eine schnelle, kräftige Flucht von einem dicken Fisch und der Knoten ist geplatzt.

DIE LÖSUNG:

Nach langem probieren habe ich die für mich optimale Kombination gefunden. Fireline XDS von Berkley. Sie ist rundgeflochten, beschichtet und sinkt sehr gut. Ich verwende die Durchmesser 0,19 und 0,23 mm, in Verbindung mit 30 m 0,50 oder 0,60 mm Monofil-Schlagschnur. Die Mono-Schnur hat eine sehr gute Abriebfestigkeit und bietet in der Endphase des Drills viel Sicherheit durch Dehnung und enorme Tragkraft. Auch mit versunkenem Holz kommt die dicke Mono sehr gut zurecht, sie schneidet sich nicht in das meist aufgeweichte Holz ein und kann sich nicht festklemmen. Außerdem wird die geflochtene Hauptschnur geschont. Eine Rollenfüllung sollte 2-3 Jahre halten. Somit hat sich der hohe Anschaffungspreis wieder bezahlt gemacht. Eine 10.000er Shimano-Rolle fasst etwa 450 m 0,23 oder 650 m 0,19 mm XDS, plus 30 m 0,60 mm Schlagschnur. Ich angle damit problemlos bis zu einer Entfernung von 500 m.

Meine Montagen halte ich so einfach wie möglich. Safety Bolt Rigs mit 280gr Blei. Achtung, nicht jeder Bleiclip macht das mit! Meine besten Erfahrungen habe ich mit den neuen Expert Clips von Starbaits gemacht. Diese halten auch die schweren Bleie erstaunlich gut. Meine Vorfächer gestalte ich in den meisten Fällen aus Snake Bite und SB 500 Haken der Größe 4 von Starbaits. Die Ummantelung des Snake Bite entferne ich nur am Haar und binde ein einfaches Knotenlos-Rig. Somit bleibt das Vorfach schön steif. Ein sinkender Hakenköder und die Dicken können kommen. Manchmal sind die Karpfen weit entfernt vom Camp, doch niemals unerreichbar! Nur beim Schnurspannen sollte man vorsichtig sein, denn der Kontakt zum Blei erfolgt mit geflochtener Schnur sehr schnell. Und eine verzogene Montage vermittelt kein gutes Gefühl. Der Drill der Fische ist am sichersten vom Boot aus, welches man ohnehin zum Auslegen der Ruten braucht. In der Anfangsphase des Drills mache ich wenn möglich nur wenig Druck, bis ich über dem Fisch bin. Dann kann eigentlich recht hart gedrillt werden, da die Monofile und das Boot wie ein Puffer wirken. Ein leidiges Thema bei dieser Angelei ist der Verschleiß der Schlagschnur.

Sie verdrallt sehr stark und muß öfters ausgetauscht werden. Mein Verbrauch ist enorm. Doch was  tut man nicht alles für den ersehnten Fang!

Die geflochtene Schnur ist bestimmt kein Allround Talent für alle Situationen, doch kann sie manchmal entscheidend sein über Erfolg oder Niederlage. Und wenn ich´s mir heute in meinem Schlafsack gemütlich mache, kann ich sicher sein: Der nächste Karpfen weckt mich ganz bestimmt!

Tight braided lines wünscht Euch Marc


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