Winterzeit ist Raubfischzeit

26.02.2016 08:50 | Ratgeber & Tipps zum Angeln

Jedes Jahr in der kalten Jahreszeit kommt in mir der Raubfischangler durch. Gerade jetzt wird es nochmal richtig interessant, da sich die Hechte die Bäuche voll schlagen. Sie sind nicht mehr so aktiv und bewegen sich auch nicht mehr so viel. Heutzutage gibt es mehrere Methoden, wie man den Hechten nachstellen kann. Ich bevorzuge das Angeln mit Köderfischen, damit konnte ich bis jetzt die besten Erfahrungen machen.

In diesem Bericht möchte ich euch das Fischen mit Pose und Naturköder erläutern. Es gibt nichts Spannenderes, wenn die Pose leichte Fahrt aufnimmt, untertaucht, die Schnur von der Rolle läuft, und einem das Adrenalin durch den Köper schießt. Man wartet nur auf den einen Moment, in den man den Anhieb setzt, die Rute sich krümmt und der Tanz beginnt. Aber es kann einen auch die letzten Nerven kosten, gerade wenn man einen Fehlbiss hat, die Pose wieder auftaucht und nichts mehr passiert.

Die Vorbereitung spielt eine große Rolle, wie beim Karpfenfischen können wir auch hier für unseren Erfolg vorsorgen. Als erstes sollte man sich schon vor dem Wintereinbruch einen Vorrat an Köderfischen anlegen. Im Winter kann man wahre Sternstunden erleben und da sollte man dann genügend Köder dabei haben. 

Das Wichtigste überhaupt beim Hechtfischen in der kalten Jahreszeit  ist der richtige Köder. Es gibt zwei verschiedene Arten, die hervorragend dafür geeignet sind. Auf Platz 1 steht die Makrele die mit ihrem Eigengeruch unter Wasser die Hechte in einen richtigen Fressrausch versetzen kann. Diesen Meeresfisch verwende ich gerne  mit einer Länge von ca.12-15 cm. So kann man die Größe der Hechte etwas selektieren.

Ein weiterer hervorragender Köder ist das gute alte Rotauge - der Klassiker.

Man könnte ohne Probleme frische Rotaugen verwenden, aber  im Winter benutze ich gerne Eingefrorene. Durch das Einfrieren bekommt der Fisch einen besonderen Eigengeruch unter Wasser. Die Hechte nehmen den Köder somit besser wahr. Das Einfrieren hat nur einen kleinen Nachteil, man kann den Köderfisch nicht so oft neu auswerfen. Deswegen sollte man immer einen kleineren Vorrat in einer kleinen Kühltasche mitnehmen. Um eine bessere Lockwirkung zu erzielen, ritze ich die Köderfische an, somit ist die Duftwolke unter Wasser noch intensiver.

Raubfischangeln

Mit großen Köderfischen ist man übrigens nicht immer auf der sicheren Seite um kapitale Exemplare an den Haken zu bekommen, da es immer wieder ein paar Selbstmörder unter dem Nachwuchs gibt, die sich gerne ein  Rotauge von 20 cm einverleiben.  Aber wir heißt es so schön "no risk, no fun".

Bei der Auswahl des Gewässers würde ich auf einen guten Hechtbestand achten. Somit besteht eine größere Erfolgschance, gerade im Winter. Auch die Platzwahl spielt eine wichtige Rolle: Plätze, an denen Bäume ins Wasser ragen oder an denen es einen Einlauf gibt, sind perfekt. Da halten sich auch gerne die Beutefische wie Rotauge, Barsche und Rotfedern auf und die Räuber sind meisten nicht weit davon entfernt. Weitere gute Stellen sind Kanten, die vom flachen ins tiefe Wasser gehen. Am besten immer die Augen offen halten, ob man Hechte rauben oder Köderfischschwärme sieht. Diesen Ort würde ich sofort anwerfen oder die Rute in der Nähe positionieren. Somit besteht immer die Chance auf einen schnellen Biss. 

Hat man sein Gewässer und einen entsprechenden Platz gefunden, kann man seinen Platz anfüttern wie beim Karpfenfischen. Nur verwenden wir hier Köderfische, die wir in Stücke schneiden und großflächig verteilen. Wenn man das regelmäßig betreibt, steigt die Chance auf einen Biss. Denn die Hechte nehmen das Futterangebot im Winter gerne an. Es ist für sie einfache Beute ohne großen Aufwand. Zusätzlich würde ich mehrere Makrelen darunter mischen, wegen deren besonderer Duftwolke unter Wasser. So werden die Raubfische schneller auf den Platz aufmerksam. Wichtig ist, dass man dann auch eine Rute kurz über Grund anbietet. 

Einige von euch werden jetzt skeptisch sein, ehrlich gesagt war ich das am Anfang auch.  Bis ich es selber versucht und gemerkt habe, dass es sogar sehr gut funktioniert. Als kleiner Tipp ich würde mehrere Stellen anfüttern und eine Futterspur legen.

Eine weitere sehr gute Taktik ist, eine Futterpyramide aufzubauen. Als erstes lockt man sich die Köderfische an den Platz mit Grundfutter, Mais, Maden und so weiter. Wenn wir sie dann am Platz haben, setzen wir unseren Köder in den Schwarm. Sollte ein Hecht in den Schwarm schießen, werden alle Köderfische aus dem Schwarm fliehen, außer unserer  natürlich. Da denkt sich der Hecht: „Oh, leichte Beute“ und schnappt sich dann unseren Köder. Mit dieser Taktik konnte ich schon manchen schlechten Tag retten. 

Jetzt will ich euch etwas zu meinen bevorzugten Montagen erzählen.

Quetschhülsen RaubfischangelnAls Vorfach verwende ich gerne Greys Prowla System Mono zum Selber-Quetschen. Die gibt es in verschieden Tragkräften von 18 kg bis 68 kg. Ich persönlich verwende das mit 27 kg Tragkraft, damit konnte ich bisher gute Erfahrungen machen. Die Länge meiner Vorfächer beträgt 70 cm, die optimale Länge für meine großen Köderfische. Mono-Vorfächer verwende ich aus folgenden Gründen:

Erstens ist es unter Wasser nicht so auffällig wie ein Stahlvorfach, somit können es die Hechte nicht so schnell wahrnehmen. Zweitens ist das Mono steif, somit kann es sich bei weiten Würfen nicht so schnell verheddern.

Posen RaubfischangelnBei den Posen achte ich darauf, dass ich schmale Posen verwende, damit der Fisch beim Zuschnappen weniger Widerstand hat. Verwendet man dicke Posen, spürt der Hecht zu viel Widerstand und lässt den Köder los - und das wollen wir ja auf keinen Fall. Meine Lieblingsmodelle sind die Predator-Posen von Fox, die in verschiedenen Größen bis 30 g erhältlich sind.

Wenn ich mit Köderfischen angle, dann nur mit System. Bei mir besteht es aus zwei 8-er oder 6-er Drillingen. Somit kann ich den Anhieb schneller setzen. Der Fisch muss nicht so lange schlucken und man könnte ihn, wenn nötig, schonend zurücksetzen. Ich kann den Abstand zwischen meinen zwei Drillingen an die Größe des Köderfisches anpassen, somit bin ich immer flexibel. Ich verwende nur kleine Drillinge, da sie sich besser im Maulwinkel verhaken und der Hecht sie nicht so schnell los wird. Außerdem sind sie unauffälliger, somit wird der Mister Esox nicht so schnell misstrauisch. Beim Platzieren der 6er oder 8er Drillinge achte ich darauf, dass auf jeder Seite des Köders ein Drilling sitzt. Damit steigen die Chancen, dass der Hecht mindestens einen der zwei Haken im Maul hat.

Wenn ich mit meinen Posen-Ruten unterwegs bin, fische ich eine davon passiv, z.B. an einer angefütterten Stelle. Mit der zweiten Rute fische ich aktiv und mache Strecke. Hier befische ich gerne Plätze, an denen ich Hechte vermute.  Man könnte jetzt an einem einzigen Platz den Biss ausharren, aber heutzutage ist Zeit kostbar und knapp. Deswegen plane ich pro Platz ca. 35 min ein. Wenn bis dahin keine Aktion kommt, geht's zum nächsten Platz.  Mit dieser Taktik konnte ich bis jetzt die meisten Fische fangen.

Noch ein paar Infos zur Rute: Ich verwende eher weiche Ruten, weil es mit denen leichter ist, die Köderfische zu werfen und sie nicht so schnell vom Haken fliegen. Und beim Anhieb mit einer zu harten Rute kann es passieren, dass man den Köder aus dem Hechtmaul zieht.

Wenn mein Köderfisch weit raus muss, verwende ich gerne Karpfenruten mit einer Testkurve von 2 3/4lbs und einer Länge von 12ft 3,60, so kommt man auf eine gute Distanz, auch mit dem Köfi. Wir sollten auch immer eine lange Zange und eine Rachensperre dabei haben, falls der Hecht mal zu stark geschluckt hat. Somit ist das Entfernen der Drillinge leichter und es ist auch schonender für den Fisch. Ein weiteres Muss ist ein Kescher, gerade wenn die Drillinge nicht optimal am Hechtmaul sitzen, geht das einfach schneller und ist schonender für den Fisch.

In den Ländern an denen Catch & Release erlaubt ist, ist es besonders wichtig, dass der Landgang so kurz wie möglich gehalten wird. Denn wird die Schleimhaut des Fisches beschädigt, nimmt auch der Fisch Schaden. Und das wollen wir ja nicht. Also immer alles schnell und fischfreundlich über die Bühne bringen.

Versucht auch mal euer Glück mit Naturködern, es wird sich auf jeden Fall lohnen.

Viel Glück beim Ausprobieren.

Gruß Markus

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