Mein Jahr 2015 - Höhen und Tiefen

18.03.2016 11:58 | Stories aus dem Carp Camp

Wir haben März 2016, die neue Saison ist gerade ein paar Wochen alt, und es ist schon einiges passiert. Bevor ich jedoch über das laufende Jahr berichte, möchte ich das Vergangene revue passieren lassen. Vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 2015. Aus diesem Zeitraum möchte ich euch ein paar Geschichten erzählen.

Richtig los ging es für meine Verhältnisse erst sehr spät. Meine schriftlichen Abschlussprüfungen Ende April verboten meinem Gewissen über längere Ansitze überhaupt nachzudenken. In den flachen Bereichen der Seen nach unseren beschuppten Freunden zu schauen, wie sie die ersten warmen Sonnenstrahlen des Jahres genießen, tat zwar gut, reichte aber bei weitem nicht. Ich wollte unbedingt wieder auf die Jagd gehen.

Schuppengold

Die erste Session an einem meiner Lieblingsgewässern läutete das Angeljahr dann endlich ein. Nachts tat sich leider überhaupt nichts. Ihr kennt diesen Moment, man wacht morgens auf, registriert das es hell ist, die Nacht ist vorbei und es tat sich nichts. Bei Overnightern unter der Woche kommt man dann wenigstens ausgeschlafen zur Arbeit. Aber in der ersten richtigen Session des Jahres, nach Monaten ohne Fischkontakt, wollte ich natürlich unbedingt einen Karpfen fangen.

Karpfenangeln Bivvy

Ich erinnerte mich an voriges Jahr. Die meisten Fische konnte ich in den Morgenstunden fangen, vor allem im Frühjahr und im Sommer war morgens die beste Beißzeit . Das machte mir Hoffnung. Tatsächlich  sollte ich noch richtig ins schwitzen kommen.

Insgesamt konnte ich an diesem Morgen noch drei Karpfen fangen, alle während der ersten Sonnenstunden. Darunter waren zwei richtig schöne Exemplare, beides Schuppis über 15 Kilo. „Was ein Start“, dachte ich mir. Meine Entscheidung, instant mit Tigernüssen zu angeln und nur ganz wenig Beifutter auf den Plätzen zu verteilen, war goldrichtig.

Andre mit Karpfen

Andre mit Karpfen 2

Aber die Euphorie hielt nicht lange an. Die nächsten Tage und Wochen verliefen zäh. Auch aus dem näheren Angler-Umfeld erreichten mich kaum Fangmeldungen. Ich gab den ständig schwankenden Temperaturen die Schuld. Vereinzelte Ansitze, mal hier, mal dort, waren alles andere als ertragreich. Ich verzettelte mich zu sehr.             

Sternstunde(n)

Erst ab Juni lief es dann wieder deutlich besser. Ich befischte ein Krautfeld und legte meine Montagen direkt zwischen den Pflanzen ab und ich fing wieder konstant Fische. Man konnte fast die Uhr danach stellen. Sobald es hell wurde, fingen die Fische an zu fressen. Des Öfteren musste ich nach dem ersten oder zweiten Karpfen die Segel streichen und zur Arbeit fahren.

Sternstunden beim Karpfenangeln

Ich will mir garnicht vorstellen, was da noch alles auf meiner Matte gelandet wäre, hätte ich nicht so oft während der besten Beißzeit einpacken müssen. Der Platz lief mehrere Wochen lang und ich ging so gut wie nie als Schneider nach Hause. Ich erinnere mich an einen Morgen, als mein Vater mir Frühstück vorbeibringen wollte. Als er an meinem Platz angekommen war, traute er seinen Augen nicht. Im Kescher lag ein Spiegelkarpfen, über 17kg schwer, Seite an Seite mit einem Schuppenkarpfen der nur ein paar hundert Gramm leichter war. Das Ergebnis eines Doppellaufs, nur wenige Minuten zuvor. Sein Blick, als dann auch noch die gerade ausgeworfene Rute ablief, war unbezahlbar. Was ein Morgen, so viel Fisch in so kurzer Zeit, das durfte ich schon lange nicht mehr erleben.

Zusammen fingen wir noch 2 kleinere Schuppenkarpfen, dann rief die Arbeit. Manchmal muss man eben gehen wenn es am schönsten ist. Rückblickend war der Juni einer der besten Monate des Jahres, zumindest was die Menge an gefangenen Fischen betrifft.

Karpfenangeln für Fortgeschrittene

Tauchstation

Es war Anfang Juli und die Fische wurden wieder launischer. Die erste Woche konnte ich fast nichts fangen, obwohl ich viel Zeit am Wasser verbrachte. Beispielhaft war eine Session mit einem guten Freund. Wir fischten zu zweit, unsere Ruten lagen bereits 15 Stunden im Wasser doch es tat sich nichts. Drei der vier Montagen hatte ich abgetaucht und das Blei samt Leadcore im Sand eingegraben. Ich konnte mir nicht erklären, wieso wir keinen einzigen Biss bekamen. Zelte, Liegen und anderes Tackle war bereits eingepackt und im Boot verstaut, da lief doch noch eine Rute ab. Selbstverständlich diejenige, mit der wir am wenigsten gerechnet hatten, die einzige, die nicht abgetaucht, sondern einfach vom Boot aus abgelegt wurde. Manchmal liegt der Teufel eben doch nicht im Detail.

Karpfenangeln Gummistiefel

Doch zum Glück lief es bald wieder besser. Ich legte meine Priorität auf zwei andere Gewässer. Im Nachhinein betrachtet genau die richtige Entscheidung. Ich fing weniger Fische als noch im Juni, dafür aber deutlich Größere. Unter anderem auch ein Spiegelkarpfen, über 20 Kilogramm schwer, der ganz oben auf meiner Wunschliste stand!

Karpfenfischen im Sommer

Freundschaft

Zwei Sessions blieben mir ganz besonders stark in Erinnerung, Alex und ich erlebeten in nur 3 Tagen genau das, worauf es ankommt: Abenteuer, Hoffen und Bangen, und vor allem: richtig große Freude, die bekanntlich am schönsten ist, wenn man sie teilt!

Wir wollten schon sehr lange einen Wels fangen. Immer wieder liest oder hört man von Karpfenanglern, die sich über den “Nacktschneckenbeifang“ beklagen, wie andere sich über Brassen “beschweren“. Je nach Ausmaß und Häufigkeit der Beifänge natürlich auch verständlich. In den Gewässern die ich hauptsächlich befischte sind Welsfänge jedoch eine absolute Seltenheit. In manchen der von uns besfischten Seen wurden das letzte Mal vor über zehn Jahren Welse gefangen. Doch nach einigen erfolglosen Versuchen, gelang es uns tatsächlich. Selbstverständlich biss der Wels nicht auf eine der beiden ausgelegten Welsruten, sondern auf einen Boilie an der Karpfenrute! Aber der Wels sammelte so viel Kraut ein, dass er sich selbst ausbremste und Alex ihn gemütlich ausdrillen konnte. Wir freuten uns riesig, als der „Schleimer“ im Boot lag.

Welsangeln im Sommer

Einige Tage später wollten wir erneut gemeinsam ans Wasser. Wieder hatten wir nur Zeit für eine Nacht. Alex und ich packten nur das Nötigste ein und bezogen unseren Platz. Wir hatten weder Zelt, Schirm oder sonstigen Regenschutz dabei. Um 21Uhr kam es dann, wie es kommen musste. Der Himmel verdunkelte sich rasend schnell, es wurde immer windiger und es braute sich ein heftiges Gewitter zusammen. Der Wind wurde so stark, dass wir es mit den Booten niemals bis zu den Autos zurück geschafft hätten. Außer Galgenhumor blieb uns also nichts übrig. Aber wir hatten Glück. Das Gewitter zog um unseren See herum und verschonte uns weitestgehend. An dieser Stelle noch ein mal ein riesiges Dankeschön an Nikolai, der sich spontan durch Hecken und Gestrüpp gekämpft hat, um uns sein Schirmzelt auszuleihen. Kurze Zeit nachdem das Gewitter vorüber war, fingen wir noch einen schönen Spiegelkarpfen und alles war wieder in bester Ordnung.

Anfang August ging es dann für eine Woche zum Raubfischangeln nach Holland. Wir hatten eine abwechslungsreiche und erfolgreiche Zeit, darüber erzähle ich euch jedoch an anderer Stelle. 

Barschangeln in Holland

Sommerloch

Ich gab der Hitze die Schuld für mein bisher größtes anglerisches Sommerloch. Alle Versuche, konstant Karpfen zu fangen scheiterten, trotz größter Bemühungen. Einfallslosigkeit konnte ich mir jedenfalls nicht vorwerfen. Ständig wechselte ich meine Plätze, fischte in den verschiedensten Tiefen, tauschte meine Hakenköder aus und änderte die Art und die Menge meines Beifutters, ich fischte single Hookbaits, versuchte es auf Plateus und direkt im Schilf, kam aber nur vereinzelt zu Erfolg.

Schuppenkarpfen

Schuppenkarpfen

Der Herbst kündigte sich an, langsam fielen die Blätter von den Bäumen und die “Dickfischzeit“ begann. Es wurde  deutlich früher dunkel und Tee und Suppen fanden immer häufiger einen Platz in meinem Foodbag. Auch die Sommerdecke wurde gegen den warmen Winterschlafsack eingetauscht.

Karpfenfischen im Herbst

Ende Oktober planten Alex und ich eine längere Session. Wir fütterten mehrere Tage vor und versprachen uns den ein oder anderen guten Fisch. Am frühen Nachmittag hatten wir unser Camp eingerichtet und die Ruten in verschiedenen Tiefen ausgelegt. Wir wollten die Karpfen überall auf unser Futter aufmerksam machen und fischten sowohl am Ufer, als auch in Freiwasserbereichen auf und neben Plateus. Innerhalb der ersten zwei Stunden konnten wir vier Karpfen  fangen, was die Erwartungshaltung für die kommenden Tage deutlich nach oben korrigierte.

Angeln auf Karpfen im Herbst

Angeln auf Karpfen im Herbst - Bild 2

Die darauffolgende Nacht verlief ähnlich gut, wieder konnten wir einige Fische bis 17Kilogramm fangen. Alle Plätze wurden gut angenommen und wir hatten auf fast jeder Rute mindestens eine Aktion. Geht man zu zweit ans Wasser ist es immer besser, wenn sich mehrere Plätze als effektiv erweisen, und sich nicht alles auf einen einzigen Spot reduziert. So hatten wir uns unsere Session vorgestellt.

Nachtangeln auf Karpfen

Leider wurde nach 24 Stunden der zeitliche Abstand zwischen den Bissen immer länger. Auch Veränderungen, wie die Futtermenge zu variieren oder die Hakenköder und Spots zu wechseln, brachten nicht mehr den gewünschten Erfolg zurück. Uns blieb nichts anderes übrig, als die Fische auszusitzen, denn auch auf der Oberfläche war keine Fischaktivität auszumachen. Trotz allem beendetet wir die Session mit mehr als einem Dutzend Karpfen und konnten ganz zufrieden sein.

Natürliche Nahrung im Überfluss

Auch die darauffolgenden Wochen brachten immer wieder den ein oder anderen Karpfen, obwohl das ganz große “Herbstfressen“ bei mir ausblieb. Die milden Temperaturen trugen sicherlich auch etwas dazu bei. Die Herbststürme blieben völlig aus und der Luftdruck war beinahe durchgehend zu hoch, weit und breit war kein Tiefdruckgebiet in Sicht.

Die Raubfische zeigten sich weniger launisch und so konnte ich immer wieder den ein oder anderen Hecht überlisten.

Trotz allem fand immer wieder der ein oder andere Karpfen den Weg in meinen Kescher. Auf Schneemänner, kombiniert aus weißen Boilies und kleinen weißen Pop-Ups, bekam ich die meisten Bisse. Gerade an trüben Tagen und auf tiefen Spots ist die helle Farbe von Vorteil und wird auf dem dunklen Grund schneller wahrgenommen.

Die letzten Sessions im Dezember waren mühsam. Die Temperaturen lagen noch ein paar Grad über null, gefühlt war es, bedingt durch starke Stürme, um einige Grad kälter. Außerdem drückte die andauernde Dunkelheit ein wenig auf die Stimmung. Während ein Niederschlag aus Schnee und Regen auf mein Zelt prasselte, bekam ich einen Dauerton. Der Fisch setzte sich in einem abgestorbenen Krautfeld fest und es dauerte eine Ewigkeit, bis ich den kleinen Schuppi befreien konnte. Mit eiskalten Händen keine schöne Angelegenheit, aber das gehört im Winter dazu. An einer Tasse Tee waren die Finger schließlich schnell wieder aufgewärmt.

Abschluss

Den letzten Karpfen des Jahres fing ich Ende Dezember. Der Fisch hakte sich in den frühen Morgenstunden und riss mir förmlich die Schnur von der Rolle. Bei den voran gegangenen 2 Sessions bekam ich keinen Biss mehr, umso größer war die Freude, das Jahr doch noch erfolgreich beenden zu können. Ich entschied mich dafür, den Fisch vom Ufer aus zu drillen. Der Sturm war so stark, dass ich vom Boot aus keine Kontrolle mehr gehabt hätte. Bibbernd stand ich am Ufer während die gespannte Schnur ein unvergleichliches Klagelied sang. Mein Kontrahent am anderen Ende der Schnur war kräftig und der Drill zog sich eine ganze Weile. Plötzlich visierte der Karpfen schlagartig das Ufer an und flüchtete, vom Lichtkegel meiner Kopflampe begleitet, ins nahegelegene Schilf. Ein wenig Panik machte sich breit, denn nun sah ich den breiten Rücken des Fischs und wusste, es handelte sich um einen guten Spiegler. Die Entfernung zwischen uns lag bei etwa 15 Meter, der Schlagschnurknoten war schon auf der Rolle. Nur langsam erhöhte ich den Druck und hoffte, der Fisch würde dem nachgeben. Immer stärker bog sich meine Rute. Kurz überlegte ich mir, doch ins Boot zu steigen, ohne Motor und gegen den Wind hätte ich jedoch keine Chance gehabt, den Fisch zu erreichen. Endlich kam der Fisch an die Oberfläche, die Hälfte seines Körpers steckte jedoch noch im Schilf. Nur durch großen Druck bekam ich ihn Stück für Stück frei. Er gab sich schließlich geschlagen und ich konnte ihn über meinen Kescher ziehen. Mit etwas über 18 Kilo der perfekte Abschluss eines erfolgreichen Jahres!

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen einen erfolgreichen Start in die kommende Saison.

Andre Spänle

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